Berg der Kreuze, Litauen (Foto: MLL)

„Alle Jahre wieder frage ich mich, ob es wirklich hilfreich ist, in einer demokratischen Gesellschaft Christus als Monarchen zu feiern. Gibt es keine besseren Bilder, um seine alles überragende, aber auch versöhnende Macht auszudrücken?“

Christkönigssonntag:
Es kann überraschen, dass im Jahr 1925, also in einer Zeit, als Monarchien viel von ihrem früheren Glanz verloren hatten, Papst Pius XI. das „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls“ einführte. Er tat dies anlässlich der 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nizäa, auf dem gegen Irrlehren des Arianismus das Wesen Christi als Sohn Gottes klar ausgesprochen worden war.

Der Blick auf Christus, den Herrn, der am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt und dem alle anderen Mächte unterliegen, fiel in dieser Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen und Unsicherheiten durchaus auf guten Boden: In den folgenden Jahrzehnten richtete die Frömmigkeit gerade auch der jungen Menschen sich stark auf Christus aus.

Der Blick auf den wiederkommenden Herrn gab offensichtlich Hoffnung. In der heutigen Distanz zu Monarchien und ihren Unzulänglichkeiten liegt auch eine Chance, mit dem Königstitel Christi die versöhnende und einigende Kraft zu verbinden, die von dem ausgeht, der durch seine Liebe und Hingabe die Gewalt überwunden hat.

Eduard Nagel
https:// www.herder.de/gd/lexikon/chriostkoenigssonntag

 

 

 

Allerheiligen und Allerseelen (1/2.11.2021)



Grabstein auf dem Trierer Hauptfriedhof (Mll)

Allerheiligen
Wir feiern die Gemeinschaft aller Heiligen – aller Menschen, der Lebenden und der Verstorbenen, die durch Jesus Christus, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung heil gemacht sind und Anteil an seinem göttlichen Leben, seiner Heiligkeit haben.
Das sind zunächst wir alle, die wir auf seinen Namen getauft sind, und insbesondere die „Heiligen“, denen ein Leben in seiner Nachfolge vorbildhaft gelungen ist und die offiziell von der Kirche heilig gesprochen worden sind.

Allerseelen
Wir denken an unsere Verstorbenen und besuchen deren Gräber.
Uns verbindet der Glaube an die Auferstehung nach dem Tod – dass Jesus Christus ihnen Anteil gibt an seinem göttlichen Leben, seiner Heiligkeit.
Darum segnen wir die Gräber in dem Wunsch, Gott möge in den Verstorbenen vollenden, was er in der Taufe begonnen hat. Das geschieht mit Wasser, das in der Osternacht geweiht ist und auf die Auferstehung hinweist. Symbol für dieses Leben sind auch die Lichter, die unsere Gräber schmücken und in die Dunkelheit leuchten.
Weil „Allerseelen“ heute kein Feiertag mehr ist und die Menschen tagsüber arbeiten, hat sich der Friedhofsbesuch mit dem Totengedenken größtenteils auf den Nachmittag des Festes Allerheiligen verlagert.
(mll)

Gebet für Verstorbene
Der Tod ist ein Schnitt.
Er trennt Menschen. Er zerschneidet Bindungen.
Der Tod tut weh. Abschied und Trennung schmerzen.
Tränen, Trauer, Weinen und Klagen gehören zum Tod.
Unser Glaube spricht vom Leben.
So wie Jesus Christus selbst sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
So wie wir bekennen: Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
In diesem Glauben und in der Hoffnung auf die Vollendung unseres irdischen Lebens beten wir für unsere Verstorbenen:
Wir danken dir für alle Menschen, die uns nahe standen, die uns lieb waren im Leben.
Wir danken dir für die Gemeinschaft, die uns mit ihnen verband,
für den Frieden, den sie brachten, für alles Gute, das sie uns schenkten.
Wir bitten dich: Nichts möge verloren sein von dem, was in ihrem Leben gut war.
Nimm ihr Leben an, erfüllt von Freude und Leid, Größe und Schwachheit.
Schenk die Vollendung bei dir unseren Eltern und Geschwistern, unseren Verwandten und Mitarbeitern unsren Freunden und Wohltätern – Vergilt ihnen allen das Gute, das sie getan haben.

Hier geht es zu einem meditativen (virtuellen) Spaziergang über den Friedhof von St. Matthias (von Wolfgang Raab).

 

 

 

 

Hl. Martin, Martinskloster Trier (Foto: MLL)

Sankt Martin – Die Die Geschichte eines Heiligen
Martin (lat. Martinus) wurde um 316 oder 317 in Savaria, dem heutigen Szombathely in Ungarn, als Sohn eines heidnischen römischen Militärtribuns geboren. Mit dem Christentum kam er in Pavia in Kontakt, der oberitalienischen Heimatstadt seines Vaters.
Im Alter von 10 Jahren wurde Martin in die Gruppe der Katechumenen, der Taufbewerber, aufgenommen. Martins Lebensweg war maßgeblich durch seine Abstammung vorbestimmt.

Römischer Soldat und Soldat Christi
Martin war als Sohn eines römischen Offiziers dazu verpflichtet, einen Militärdienst zu leisten. Auf Wunsch des Vaters trat er mit 15 Jahren in eine römische Reiterabteilung ein. Mit seiner Abteilung wurde Martin nach Gallien, dem heutigen Frankreich, beordert, wo das römische Heer gegen die Alemannen kämpfte. In dieser Zeit festigte und vertiefte sich sein christlicher Glaube.
Unmittelbar vor einer Schlacht gegen die Germanen verweigerte Martin, der nun römischer Offizier war, den Dienst an der Waffe. Stattdessen bat er um die Entlassung aus dem Militärdienst und begründete dies damit, dass er nicht länger ein Soldat des römischen Kaisers, sondern von nun an ein Soldat Christi sei.
Doch Kaiser Julian lehnte das Entlassungsgesuch ab – Martin wurde erst 356 nach 25 Jahren im Militärdienst im Alter von 40 Jahren entlassen.

Vom Soldat zum Priester
Noch während seiner Zeit beim Militär, wahrscheinlich im Alter von 18 Jahren, wurde Martin von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers, getauft. Nach seiner Entlassung aus dem Soldatendienst lernte er einige Zeit bei Bischof Hilarius und zog sich dann als Eremit auf eine Insel im Golf von Genua zurück.
Im Jahr 360 kehrte Martin nach Gallien zurück und lebte als Einsiedler in Ligugé in der Nähe von Poitiers. Dort gründetet er 361 die Abtei de Ligugé, das erste Kloster des Abendlandes. Dort wurde er auch zum Priester geweiht.

Bischof von Tours
Bei der Bevölkerung war der asketisch lebende Mönch Martin bekannt und als Ratgeber und Nothelfer geschätzt. Als 371 Bischof Lidorius von Tours starb, wünschten sich die Bürgerinnen und Bürger von Tours Martin als dessen Nachfolger. Der hingegen wollte gar nicht Bischof werden und versteckte sich in einem Gänsestall. Der Legende nach verrieten die schnatternden Gänse das Versteck und Martin wurde 372 zum Bischof von Tours ernannt.
Als Bischof Martin von Tours ging er in die Annalen ein und erlangte später für seine selbstlosen Wohltaten Berühmtheit. Trotz des hohen Amtes lebte Martin weiterhin in Askese, wofür er von der Bevölkerung verehrt und geachtet wurde.
Während seiner Zeit als Bischof unternahm Martin mehrere Missionsreisen und stiftete das Kloster Marmoutiers. Außerdem werden ihm mehrere Wunderheilungen und Wundertaten zugeschrieben.
Am 8. November 397 starb Martin von Tours auf einer seiner Reisen in Candes. Sein Leichnam wurde auf der Loire nach Tours transportiert und am 11. November unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Wohltäter und Heiliger
Um das Leben des heiligen Martins ranken sich Legenden und Berichte über gute Taten, die hauptsächlich zu seiner Verehrung beigetragen haben.
Neben der Legende um die schnatternden Gänse ist die Überlieferung der Mantelteilung die wohl bekannteste und beliebteste Martinslegende überhaupt. Sie geht auf die Zeit zurück, in der Martin als Soldat im römischen Heer diente.
Im Jahr 334, mit gerade einmal 18 Jahren, war Martin als Gardeoffizier in Amiens stationiert. Was sich in dieser Zeit zutrug, verbinden wir bis heute mit dem Heiligen St. Martin.

Die Legende der Mantelteilung
Mitten im bitterkalten Winter traf der Soldat Martin auf einen bettelarmen Mann am Stadttor von Amiens. Der Bettler war der Kälte schutzlos ausgeliefert, er hatte weder Schuhe noch warme Kleidung. Immer wieder bat er die vorbeigehenden Menschen um Hilfe, doch keiner hatte Mitleid mit dem armen Mann.
Da wusste Martin, dass er dem Bettler helfen musste. Außer seinem Soldatenmantel und seinem Schwert trug er jedoch nichts bei sich. Kurzerhand nahm er das Schwert und teilte seinen warmen Mantel mitten entzwei.
Die eine Hälfte gab er dem Bettler, der voller Dankbarkeit über den warmen Mantel war. Martin versuchte, sich in die verbliebene Mantelhälfte zu hüllen. Darüber spotteten die umstehenden Soldaten und verhöhnten Martin wegen seines erbarmungswürdigen Aussehens. Doch Martin kümmerten Spott und Hohn nicht – er wusste, dass er das Richtige getan hatte.
In der folgenden Nacht hatte Martin einen Traum. Jesus Christus erschien ihm und er war in Martins halben Mantel gehüllt. Er dankte Martin für seine Güte, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe und sprach zu den Engeln:
Seht, das ist der noch nicht getaufte Katechumen Martin, der hat mir den Mantel geschenkt und die Liebestat vollbracht.
Martin erkannte Gottes Güte in seiner Tat und ließ sich daraufhin taufen, um seinen Glauben zu bekräftigen.

Wohltaten des St. Martin
Die Geschichte um den geteilten Mantel ist sicherlich die bekannteste Legende von Sankt Martin, doch nicht der einzige Bericht seiner vielen guten Taten.
Martin von Tours war bei der Bevölkerung wegen seiner bescheidenen und demütigen Lebensweise hoch angesehen. So ist überliefert, dass er selbst als Bischof in einer schlichten Zelle lebte, seine Schuhe selbst putzte und einen einfachen Schemel dem prunkvollen Bischofsstuhl vorzog.
Auch von Wundern wird berichtet, er soll Kranke geheilt und sogar Tote wieder zum Leben erweckt haben.

Heiligsprechung
Zur Zeit von Martin von Tours gab es noch keine kanonische Heiligsprechung, das Volk bestimmte, wer auf Grund seiner Taten ein Heiliger war. Auf Martins Grab ließ sein Nachfolger Brictius eine Kapelle errichten, die schnell zum Ziel vieler Pilger wurde. Ausgehend von Tours verbreitete sich die Verehrung der Heiligen Martins über ganz Europa. Zahlreiche Kirchen wurden Martin geweiht, Städte und Burgen nach ihm benannt.
Der Frankenkönig Chlodwig I. (466-511) ernannte Martin von Tours zum Nationalheiligen und Schutzherren der fränkisch-merowingischen Könige und deren Volk.
St. Martin war der erste Heilige, der nicht als Märtyrer gestorben war, sondern als Bekenner verehrt wird.
Auch heute noch wird am 11.11. der Martinstag mit Laternenumzügen, Martinsliedern und Gebäck gefeiert. Das Martinsfest ist ein gebotener Gedenktag der römisch-katholischen Kirche, aber auch die evangelischen und anglikanischen Kirchen gedenken an diesem Tag dem heiligen Martin. Der Martinstag ist kein gesetzlicher Feiertag.

Schutzheiliger
Sankt Martin ist der Schutzpatron Frankreichs und der Slowakei, des thüringischen Eichsfelds, des Schweizer Kantons Schwyz, des österreichischen Burgenlands und zahlreicher weiterer Städte. Zudem ist er der Schutzheiliger vieler Berufe, u. a. der Soldaten und Kavalleristen, Polizisten, Huf- und Waffenschmiede, Schneider und Weber sowie der Reisenden, Flüchtlingen und Gefangenen und natürlich der Bettler.
Der heilige Martin wird entweder als berittener Soldat, der seinen Mantel teilt, oder als Bischof mit Gänsen dargestellt.

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